2.) Wundheilung – Die Entzündungsphase

Wundheilung

Du hast dich verletzt, was passiert nun in den ersten Tagen der Wundheilung und wie kannst du diese unterstützen um eine optimale Heilung zu gewährleisten?

Am Anfang der Entzündung

Bei den meisten Verletzungen werden, neben Muskeln, Bändern, Bandscheiben, also Bindegewebe, auch Blutgefäße verletzt. Um das körperliche Gleichgewicht (sogenannte Homöostase) wieder herzustellen wird nun eine Gerinnungskaskade eingeleitet (via Faktor V und Fibrin), neben der Gerinnungskaskade kommt es noch zur Arachidonsäurekaskade ( werde ich später noch genauer drauf eingehen).

Das Fibrin bildet nun eine behelfsmäßige Wundmatrix, auf welcher sich nun Blutplättchen sammeln. Diese sind in der ersten Phase der Wundheilung sehr wichtig, da sie einige pro-entzündliche Substanzen ausschütten vor allem verschiedene Wachstumsfaktoren). Die Wachstumsfaktoren (TGF-ß –> Tissue groth factor, PDGF –> plathet-derived factor) locken nun das Immunsystem zur Verletzung (Neutrophile, Monozyten und Fibroblasten). Die Einleitung zur Heilung des Gewebes beginnt also unmittelbar nach dessen Verletzung.

Durch die Gefäßverengung erhöht sich die Durchlässigkeit der Blutgefäße, was zu die typischen Entzündungszeichen (Schwellung, Schmerz, Funktionseinschränkung, Rötung und Erwärmung). Außerdem bewirkt die erhöhte Durchlässigkeit eine Einwanderung von Immunzellen. Diese ersten Immunzellen (Polymorphonukleäre Leukozyten) sind sehr wichtig für das Abtöten von Bakterien, aber weniger wichtig für die Wundheilung.

Andere Immunzellen (Makrophagen) gelangen nach den PMN-Leukozyten in das Wundgebiet und beseitigen die zerstörten Strukturen, wodurch das Gewebe weit weniger stabil wird.

Exkurs Arachidonsäurekaskade

Bei einer Gewebeverletzung „löst“ sich Arachidonsäure aus der Zellmembran und es kommt zu einer Ausschüttung von einigen pro-entzündlichen Substanzen wie zum Beispiel PGE2 (Prostaglandin E2), welche für die typischen Zeichen einer Entzündung (siehe oben) verantwortlich sind.

Vor allem Symptome von PGE 2 versucht man in der Medizin über sogenannte COX 2-Hemmer (Cycclooxygenase 2) zu reduzieren.

Arachidonsäure wirkt allerdings nicht nur pro-entzündlich, sondern ist am Schluss einer jeden Entzündung auch bei Lösung des Problems beteiligt (Lipoxine), genauso wie die beiden Omega 3-Fettsäuren EPA und DHA (Marine und Resolvine).

EPA, DHA und Arachidonsäure nennt man auch Eicosanoide.

Wie sinnvoll sind Entzündungshemmer?(Iboprofen, Diclofenac, ASS)

Nehmen wir ein Alltagsbeispiel um das Problem zu verdeutlichen. In deinem Auto leuchtet die Motorensignallampe, was würdest du machen?

  1. Lampe ignorieren und hoffen, dass nichts passiert
  2. Lampe abklemmen und hoffen, dass nichts passiert
  3. In eine Werkstatt fahren um das Problem zu beheben

Ich gehe davon aus, da dein Auto dir am Herzen liegt, dass du Nummer 3 wählen wirst.

Unser Körper hat nur eine einzige Warnlampe, welche bei potenziellen oder tatsächlich vorhandenen Gewebeschaden aktiviert wird –> Schmerz!

Falls du jetzt eine schnelle Einnahme von diesen Medikamenten bevorzugst, klemmst du die Warnlampe an deinem Körper ab. Dies hat äußerst negative Effekte auf die Wundheilung, da durch die Schwellung eine Menge Vitamine, Omega 3 Fettsäuren, Enzyme und Sauerstoff in das Wundgebiet transportiert wird. Durch diese Maßnahme verhinderst du eine normale Wundheilung und kannst möglicherweise chronifizieren.

Diese Medikamente sollten nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden (sehr starke Schmerzen und um bei nicht normaler Heilung eine Schmerzunterbrechung zu erreichen).

Eine Eisbehandlung ist ähnlich zu betrachten. Die „Vorteile“ (schnellere Rückkehr in den Sport und Schmerzhemmung) und Nachteile (dauerhafte Störung der Wundheilung, mögliche Schmerzchronifizierung und minder belastbares Bindegewbe) sollten abgewogen werden.

Am Ende der Entzündung

Am Ende der Entzündungsphase nimmt die Anzahl der Eicosanoiden zu (für diesen Wechsel ist eine ausreichende Menge von Arachidonsäure, EPA und DHA notwendig.

Kann mit einem Omega 3 Index im Labor gemessen werden! ( Wert sollte größer 8% sein).

Die Zahl der Immunzellen v.a. Makrophagen nimmt ab und es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung von Fibroblasten aktivierenden Substanzen ( weniger PGE 2 mehr PGF-2).

Nun wird vermehrt Bindegewebe (Kollagen Typ III Vorstufe von „richtigem“ Bindegewebe) produziert.
Mit diesen Schritten leitet der Körper nun die Proliferationsphase ein, mit welcher ich mich im nächsten Artikel beschäftigen werde.

Was kannst du in der Entzündungsphase machen?

Das wichtigste zuerst: Akzeptiere die Entzündungszeichen, sie gehören zu einer normalen Wundheilung!

Versorge deinen Körper mit ausreichend Nährstoffen (EPA,DHA, Vitamine und Protein). Am besten schon vor einer Verletzung.
Hubfreie Mobilisation oder leichte Pendelbewegungen sind erlaubt, ansonsten gilt absolut keine Belastung in den Tagen der Entzündungsphase.

Leitspruch eines tollen Dozenten und Kollegen:
„Wenn du nicht zu 100% weißt was du da gerade machst, Finger weg und eine über Jahrmillionen bewährtes System gewähren lassen“.

Autor: Andreas Mederer

Arachidonsäure:

Omega-6 Fettsäure

EPA:

Omega-3 Fettsäure

Eicosanoide:

Hormonähnliche Substanzen; gebildet aus Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren

DHA:

Omega-3 Fettsäure

Faktor V:

An der Blutgerinnung beteiligtes Protein

Fibrin:

„Kleber“ der Blutgerinnung

Fibroblasten:

Teil der extazellulären Matrix; vor allem Kollagen

Homöostase:

Gleichgewicht eines biologischen Systems; zum Beispiel Blutzuckerspiegel

Leukozyten:

Setzen Entzündungsbotenstoffe frei

Makrophagen:

Fresszellen des Immunsystems

Neutrophile:

Teil der weißen Blutkörperchen

Monozyten:

Vorläufer der Makrophagen

TGF-ß:

Wachstumsfaktor für das Bindegewebe

PDGF:

Regt Fibroblasten zur Zellteilung an; Wachstumsfaktor

Prostaglandin E2:

Protein, welches Schmerz verstärkt und Gefäße erweitert

Polymorphonukeläre Leukozyten:

Setzen Entzündungsbotenstoffe frei

Photo credit: Editor B via VisualHunt / CC BY

2017-10-04T14:57:02+00:00